Inhalt:

ImmoEst: Wann greift die Hauptwohnsitzbefreiung

4/6/
2018
Ihr Ansprechpartner zu diesem Thema ist

Private Grundstücksveräußerungen unterliegen seit 1.4.2012 grundsätzlich der ImmoESt.
Sämtliche Immobilien, für die am 31.3.2012 die 10-jährige Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen war (nach 31.3.2002 erworben und somit am 31.3.2012 noch „steuerverfangen“ waren) unterliegen seit 1.4.2012 uneingeschränkt der ImmoESt, welche seit 1.1.2016 rund 30% des Veräußerungsgewinnes beträgt (sog. „Neufälle“). Wesentlich günstiger ist die Veräußerung von Immobilien, welche als sog. „Altfälle“ gelten (am 31.3.2012 nicht mehr „steuerverfangen“ gewesen), bei welchen eine Pauschalbesteuerung iHv eff. 4,2% des Verkaufserlöses erfolgt.

Die Immobilienertragssteuer (ImmoEst) entfällt jedoch gänzlich, wenn die verkaufte Immobilie seit Anschaffung oder Herstellung durchgehend mindestens zwei Jahre durch den Veräußerer als Hauptwohnsitz genutzt wurde und der Hauptwohnsitz aufgegeben wird. Ebenfalls von der ImmoESt befreit ist der Verkauf der Immobilie, wenn der Veräußerer die Immobilie innerhalb der letzten zehn Jahre vor der Veräußerung mindestens fünf Jahre lang durchgehend als Hauptwohnsitz genutzt hat. Da es nur auf den Hauptwohnsitz des Veräußerers ankommt, ist es für die Befreiung unerheblich, ob der Veräußerer durchgehend auch zivilrechtlicher Eigentümer war. In beiden Fällen muss der Hauptwohnsitz aufgegeben werden. Letztere Bedingung hat ihre Begründung im Grundgedanken der Hauptwohnsitzbefreiung: Der Erlös aus dem Verkauf des Hauptwohnsitzes soll zur Finanzierung eines neuen Lebensmittelpunktes zur Gänze genutzt werden können und soll aus diesem Grund nicht durch eine Besteuerung geschmälert werden.

Verwaltungsgerichtshof gegen Bundesfinanzgericht
Strittig war bislang, ob die veräußerte Wohnung innerhalb der fünfjährigen Hauptwohnsitz-Mindestdauer im Eigentum des Verkäufers gestanden haben muss. Der Verwaltungsgerichtshof stellte mit seiner Entscheidung vom 24. Jänner 2018 klar (Ra 2017/13/0005), dass es für die Anwendung der Hauptwohnsitzbefreiung lediglich auf die durchgehende Nutzung der Liegenschaft als Hauptwohnsitz ankommt und nicht auf das durchgehende Vorliegen eines bestimmten Rechtstitels (Eigentum). Mietzeiten sind also in die fünfjährige Hauptwohnsitz-Mindestdauer miteinzuberechnen.

In dem entschiedenen Fall war der Revisionswerber seit dem Jahr 2007 Mieter einer Genossenschaftswohnung. Mit Ablauf des Jahres 2012 erwarb er Eigentum an seiner bisherigen Mietwohnung (Genossenschaftswohnung). Zum 1. November 2013 verkaufte er die Wohnung. Das Finanzamt beurteilte den Vorgang als steuerpflichtige Immobilienveräußerung. Den Gewinn aus der Veräußerung unterzog es daher der Immobilienertragsteuer. Das Bundesfinanzgericht wies eine dagegen erhobene Beschwerde mit der Begründung ab, dass die Hauptwohnsitzbefreiung die Nutzung einer Eigentumswohnung während bestimmter Fristen als Eigentümer erfordere. Die Hauptwohnsitzbefreiung käme daher nicht zur Anwendung, und die Veräußerung unterliege der Besteuerung. Der Verwaltungsgerichtshof teilte die Ansicht des Bundesfinanzgerichts nicht. Der Wortlaut der Befreiungsbestimmung stelle nur auf die durchgehende Nutzung der Wohnung als Hauptwohnsitz, nicht aber auf einen bestimmten Rechtstitel für diese Nutzung ab.

Ihre ARTUS-Berater stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite (info@artus.at).

Schlagworte: , , , ,

Relevante Beiträge

Es wird darauf hingewiesen, dass trotz sorgfältiger inhaltlicher Prüfung keine Haftung oder Gewährleistung für die auf dieser Website veröffentlichten Informationen übernommen werden kann. Diese sind lediglich allgemeiner Natur und können eine Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

Weiterempfehlen

Comments are closed.

Persönliche Beratung

Unser Team freut sich
auf Ihre Anfrage

Wolfgang Schmid

Mag. Wolfgang Schmid

Partner, Steuerberater

T: +43-1-5137900-0

Jetzt kontaktieren

Neueste Blogbeiträge

8.7.19 - Umsatzsteuerliche Behandlung von Verträgen über... Laut einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) ist die Überlassung von Sportanlagen eine umsatzsteuerpflichtige Leistung. Im gegenständlichen Fall ging es um die umsatzsteuerliche Behandlung einer Squash-Anlage. Der VwGH ist der... mehr lesen... 4.7.19 - Döbling ab 1.7.2019 Parkpickerl-Zone Ab 1.7.2019 ist Döbling flächendeckende Kurzparkzone. Parken ist ab sofort von 9.00 bis 19.00 Uhr kostenpflichtig, die Parkdauer auf drei Stunden begrenzt. Ausnahmen in Grüngebieten Damit ist seit dem 1. Juli das Abstellen des Autos fast im... mehr lesen...

Veranstaltungen

ARTUS Seminar: Fehler und Fallen im... Unternehmerische Entscheidungen haben oftmals arbeitsrechtliche Konsequenzen, die Folgen nach sich ziehen, denen wir uns nicht immer bewusst sind. Mit dem ARTUS Seminar Fehler und Fallen im Arbeitsrecht vermeiden verfolgte unsere... mehr Informationen... GmbH für Ärzte? Rechtliche und steuerliche... Am Dienstag, 16.4.2019, fand in Billrothhaus die Veranstaltung "GmbH für Ärzte? Rechtliche und steuerliche Möglichkeiten zur Optimierung der Ordination" statt. Neben Dr. Oliver Völkel, Rechtsanwalt für Ärzte- und Krankenanstaltenrecht - Stadler... mehr Informationen...

Independent Member of BKR International

Kontakt | Impressum | Nützliche Links | Datenschutz

Folgen Sie uns auf: Facebook LinkedIn Xing Twitter


nach oben
Diese Seite verwendet Cookies, die für eine uneingeschränkte Nutzung der Website nötig sind.
Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Website finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Dort kann auch der Verwendung von Cookies widersagt werden.
Akzeptieren